Kaum ein Störungsbild hat in den letzten Jahren eine vergleichbare Aufmerksamkeit erfahren wie ADHS im Erwachsenenalter. Auch in Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen begegnen Beraterinnen und Berater zunehmend Menschen, die mit einer ADHS-Diagnose Beratung suchen oder deren Belastungen im Zusammenhang mit einer ADHS-Symptomatik stehen können. Das Seminar schärft den Blick für Symptomatik, Komorbiditäten sowie besondere Herausforderungen und Ressourcen von Menschen mit ADHS.
Die Fortbildung ist in zwei Teile gegliedert:
Tag 1:
ADHS bei Erwachsenen - Diagnostik und Therapie (Prof. Alexandra Philipsen)
| Das klinische Bild der ADHS im Erwachsenenalter umfasst Aufmerksamkeitsregulationsschwierigkeiten, Impulsivität, innere Unruhe, emotionale Dysregulation sowie Probleme bei Selbstorganisation und Alltagsbewältigung. Häufig bestehen psychische und somatische Komorbiditäten sowie Beeinträchtigungen in Beruf, Partnerschaft und sozialer Teilhabe. Die Diagnostik erfordert eine sorgfältige klinische und differenzialdiagnostische Beurteilung im Längs- und Querschnitt. Entwicklungsverlauf und Komorbiditäten sind ebenso zu berücksichtigen wie mögliche symptomatische Überschneidungen mit anderen psychischen Erkrankungen. Strukturierte Interviews, standardisierte Fragebögen und – soweit verfügbar – fremdanamnestische Informationen unterstützen die Diagnosestellung. Obwohl die Zahl der ADHS-Diagnosen bei Erwachsenen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist, liegt die administrative Prävalenz von 0,7 % noch unter der erwarteten bevölkerungsbasierten Prävalenz von 2–3 %. Angesichts der hohen medialen Aufmerksamkeit besteht sowohl die Möglichkeit von Überdiagnosen als auch einer Bagatellisierung. Die Behandlung erfolgt multimodal und orientiert sich an Symptomatik, Funktionsniveau, Komorbiditäten und individuellen Präferenzen. Neben Psychoedukation sind Stimulanzien und Atomoxetin evidenzbasierte pharmakologische Optionen. Verhaltenstherapeutische und ADHS-spezifische psychotherapeutische Interventionen können insbesondere bei anhaltenden funktionellen Problemen und emotionaler Dysregulation ergänzen. Digitale Interventionen ermöglichen zusätzliche niedrigschwellige und individualisierte Angebote. Auch Lebensstilinterventionen wie Sport gewinnen zunehmend an Bedeutung. |
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Tag 2 und 3:
ADHS in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung - Methoden und Interventionen (Dr. Frederik Blomann)
Erwachsene mit ADHS profitieren von Ansätzen, die sowohl den Umgang mit inneren Erfahrungen als auch die Bedeutung von Beziehungen und Kontexten berücksichtigen. Die Fortbildung vermittelt einen praxisnahen, integrativen Beratungsansatz, der Methoden der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) mit Interventionen der Systemischen Therapie verbindet. Die Teilnehmenden lernen, typische Herausforderungen ressourcenorientiert zu bearbeiten, Selbststeuerung zu fördern und nachhaltige Veränderungsprozesse im persönlichen und sozialen Lebenskontext zu unterstützen.
Referenten

Quelle: Frederik Blomann
Dr. Frederik Blomann
Dr. Frederik Blomann, Systemischer Therapeut, Supervisor und Leiter der EFL Pforzheim. Seit über 15 Jahren Referent und Fortbildner im Sozial- und Unternehmensbereich.

Quelle: Univ. -Prof. Dr. med. Alexandra Philipsen
Prof. Dr. Alexandra Philipsen
MD, ist seit 2018 Direktorin und Lehrstuhlinhaberin für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Bonn. Ihre Forschung und klinische Arbeit fokussieren auf ADHS im Erwachsenenalter, Emotionsregulation und innovative pharmakologische, psychotherapeutische und digitale Behandlungsansätze.
Organisatorische Hinweise
Kursgebühr 280 €
Übernachtung und Verpflegung 240 €
Verpflegung (Mittagessen/Getränke) 90 €
Verpflegung (Mittagessen/Getränke) 90 €



